Digitalität als Schlüssel zur Nachhaltigkeit

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Digitalität als Schlüssel zur Nachhaltigkeit

Techedge | Aug 18, 2017

Wie oft haben Sie schon gehört, dass sich durch die digitale Welt alles ändern wird? Die digitale Welt ändert die Art und Weise, wie wir Geschäfte machen. Stimmt soweit oder?

Doch wie oft haben Sie gehört, dass die digitale Welt langfristig gesehen unseren Planeten retten wird? Vermutlich eher selten. Ich persönlich habe bis kurz vor der Sommerpause selbst kaum darüber nachgedacht. Einer meiner Kunden bat mich zu meiner Meinung zur „Nachhaltigkeit”. Und ich dachte mir…Nachhaltigkeit…das ist nicht wirklich mein Ding…Nachhaltigkeit ist doch all der Kram mit der Unternehmensethik oder? Jutetaschen, Recycling und Reinigungsprodukte, die nicht reinigen. Ich bin digital. Meine Welt ist digital. Und digital heißt schnell, innovativ und effizient…was hat das mit Nachhaltigkeit zu tun? Mein Kunde bat mich darum, darüber nachzudenken und ihn im Herbst über meinen Standpunkt zu informieren.

Im Urlaub grübelte ich also, was Nachhaltigkeit wirklich bedeutete und sah mir dabei an, was die Besten und Cleversten so machten…und wie sich das auf das Geschäft meines Kunden auswirken würde. Ich sollte mein blaues Wunder erleben.

Ich muss gestehen, dass diese Erfahrung mein Leben in einem gewissen Umfang schon verändert hat. Dabei habe ich Grundlegendes gelernt:

Unser Planet wird nicht überleben, wenn wir so weiter machen wie bisher.

Wir Menschen haben die jährlichen Ressourcen der Welt laut Weltüberschöpfungstag im Jahr 2016 schon am 8. August verbraucht. Das entspricht acht Monaten, in denen wir den Jahresvorrat der Natur erschöpfen. Den Rest des Jahres erhöhen wir unsere ökologischen Schulden mit immer mehr Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre und indem wir die Ressourcen auf nicht regenerierbare Weise abbauen oder verbrauchen. Wir verbrauchen mehr als es gibt. Das sagt uns jedenfalls das Global Footprint Network, welches den menschlichen Bedarf und das natürliche Angebot an natürlichen Ressourcen misst.


  • Die Zukunft benötigt einen Wandel
    Die einzigen Unternehmen, die auch in der Zukunft Erfolg haben werden, sind die, welche die herkömmliche lineare Beziehung zwischen Ressourcen und Umsatz revolutionieren können.
  • Neue ökonomische Modelle schießen wie die Pilze aus dem Boden und haben ein hohes Potential.
    Die Digital- und Technikinnovation hat uns in die Lage versetzt, eine völlig neue Wirtschaft zu erstellen – die kreisförmige Wirtschaft. Die coolsten Unternehmen nutzen die Nachhaltigkeit als ihr Fundament. Diese Unternehmen existieren nicht nur zur Gewinnmaximierung für die Aktionäre. Sie haben ein größeres Ziel. Ein paar Beispiele sind Unilever, IKEA, Nike, Natura oder. Ich beziehe mich dabei auf zwei Primärquellen: Das Buch Green Giants von E. Frey Williams und das Buch The Circular Economy Advantage von Peter Lacy (ich kann beide nur empfehlen).

Laut Frey Williams stechen diese nachhaltigen Unternehmen folgendermaßen heraus: „Es geht darum, wie Unternehmen ihr Geld verdienen und nicht wie sie es ausgeben.“

Unternehmen können sich also auf ihre Gesellschaftsverantwortung konzentrieren und auch jede Menge Geld für gemeinschaftliche Zwecke ausgeben und trotzdem bei der Produktion der Produkte oder bei deren Lieferung Ressourcen vergeuden.

Nachhaltige Unternehmen haben das herkömmliche „von der Wiege bis zur Bahre“ Geschäftsmodell abgestoßen, welches die Grundlage für Unternehmen im vergangenen Jahrhundert war.

Die Idee ist es, einen „Wiege zu Wiege“ Ansatz zu nutzen.

Es geht also nicht mehr darum, Ressourcen für Produkte zu verwenden, die vom Kunden am Ende verbraucht oder entsorgt werden. Sondern es geht darum zu verstehen, wie Ihre Produkte sich auf den gesamten Planeten auswirken – ab Tag eins, ab dem Design! Nur so können Designer nachvollziehen, wie sie gleich zu Beginn besser agieren können. Das war auch bei Nike und der „Considered Design Initiative” der Fall. Dies ist ein unternehmensweites Programm, das ökologische Prinzipien in die Design-Richtlinien von Nike einfließen ließ. So konnte das Unternehmen leichter umweltfreundlichere Materialien und weniger Giftstoffe bzw. Abfallprodukte verwenden.

Es geht also darum, neue Geschäftsmodelle für sich ausfindig zu machen oder Möglichkeiten zur Kostenersparnis zu finden. Nicht Müll als Müll zu sehen, sondern ihn als Möglichkeit anzusehen.

Da wäre zum Beispiel die Aptar Group als globaler Hersteller von Verpackungen. Das Unternehmen will an seinen Standorten keinerlei Deponien mehr verwenden müssen. Dies bedeutet, dass 90% des Abfalls und der Energie der Produktionsphase wiederverwertet werden können. Ein Beispiel ist zum Beispiel die Einrichtung von speziellen Energieumwandlern, welche den bei der Produktion entstehenden Dampf verwenden, um die Büroräume zu heizen.

Die Verantwortung darf mit dem Verkauf des Produkts nicht plötzlich verschwinden. Sondern die Verantwortung sollte dazu genutzt werden, um Möglichkeiten zu finden, diese auf zweierlei Weisen einzusetzen:

  1. Das Nutzen von nicht verwendeten Mitteln oder Ressourcen - Das Sharing wie beim Car Sharing, wenn Autos 90% der Zeit nur herumstehen.
  2. Recycling und Anreize für das Recycling – Zum Beispiel bei H&M mit der eigenen „Close the Loop Collection”, bei welcher zurückgebrachte Kleidung wiederverwendet wird, indem neue Kollektionen geschaffen werden. Das Ziel für H&M besteht darin, eines Tages die Stoffe von entsorgten Kleidungsstücken wiederverwenden zu können.

Doch was genau haben diese nachhaltigen Unternehmen mit Digitalität zu tun?

Ein zentraler Aspekt ist, dass all diese Komponenten oder Produkte per Tracking nachverfolgt werden müssen. Das gilt für den gesamten Zyklus von der Herstellung über die Verwendung bis zur Entsorgung und Wiederverwertung. So werden Lieferanten, Hersteller, Händler und Nutzer im gesamten Lebenszyklus des Produkts miteinander verbunden. Das wäre vor noch fünf Jahren undenkbar gewesen. Doch die grundlegenden digitalen Technologien wie Mobilgeräte, Social, IoT, Big Data und Clouds machen das heute möglich.

Die digitale Welt hat ein tiefergehendes Ziel und all jene, welche mithilfe der Digitalität nachhaltige Geschäfte machen, werden davon profitieren. Ein Bericht der CDP aus dem Jahr 2014 zeigt, dass besonders nachhaltige Unternehmen umso profitabler sind und ihren Aktionären bessere Dividenden liefern können.

Die weltweit nachhaltigsten Unternehmen sind zugleich auch die innovativsten Unternehmen. Unternehmen, welche IT und Digitalität begrüßen, fördern nicht nur die Innovation, sondern streben noch größere Ziele an.

In einer Welt, die dringend mehr Rücksichtnahme benötigt, kann der digitale Wandel dabei helfen, Unternehmen zu mehr Nachhaltigkeit zu verhelfen.

Ich kann meinem Kunden nur danken, mir die Augen in Hinsicht der Nachhaltigkeit geöffnet zu haben. Dies hat meine Denkweise und meine Perspektive völlig verändert.

Ich habe selbst einige kleine Änderungen vorgenommen. Ich verschwende jetzt weniger Wasser, kaufe Bio-Produkte und kaufe meinen Kindern keine „Wegwerf-Spielzeuge“ mehr. Ich habe selbst umweltfreundliche Reinigungsmittel probiert, aber die funktionieren einfach nicht.

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